Biointelligenz vor Ort erleben: Drei Tage Discovery Tours in Baden-Württemberg

Wie sieht Biointelligenz aus, wenn sie nicht nur auf Folien erklärt, sondern in Laboren, Produktionsumgebungen und konkreten Anwendungen sichtbar wird? Genau darum ging es bei den Biointelligence Ecosystem Discovery Tours, die vom 5. bis 7. Oktober 2026 internationale Gäste nach Stuttgart und in die Region brachten.

Los ging es am Montag bei Festo in Esslingen. Nach der Begrüßung und einer ersten Vorstellungsrunde gaben Festo und Adiro Automatisierungstechnik Einblicke in ihre Aktivitäten im Bereich LifeTech, Automatisierung und Didaktik.

Bei Rundgängen durch das Festo Experience Center und den LifeTech-Bereich lernten die Teilnehmenden unterschiedliche Anwendungen an der Schnittstelle von Automatisierungstechnik und Life Sciences kennen. Dabei wurde bereits ein Thema sichtbar, das die Reise auch an den folgenden Tagen immer wieder begleiten sollte: Biologische Prozesse aus dem Labor oder Pilotmaßstab in robuste und skalierbare Anwendungen zu überführen, ist ohne geeignete Automatisierungs- und Produktionstechnik kaum denkbar.

Am Abend ging der Austausch im Stuttgarter Ratskeller weiter. Gemeinsam mit Referentinnen und Referenten des Biointelligenz Kongresses stellten die internationalen Gäste ihre Unternehmen, Technologien und Fragestellungen vor. So entstanden schon am ersten Tag Gespräche über gemeinsame Interessen und mögliche Anknüpfungspunkte.

»Biointelligence Ecosystem Discovery Tours«

Die dreitägige Reise fand im Rahmen des S-TEC Zentrums für Biointelligente Wertschöpfung (S-TEC ZBW – The Biointelligence Engine) statt und wurde gemeinsam mit Baden-Württemberg International (BW_i) organisiert. Im S-TEC ZBW bündeln Fraunhofer IPA, Fraunhofer IGB, die Universität Stuttgart und die Universität Hohenheim ihre Kompetenzen rund um biointelligente Wertschöpfung. Das Zentrum wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg sowie den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Quelle: Fraunhofer IPA
Mit dabei waren 15 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen aus den USA, der Türkei, Frankreich, Finnland, Brasilien und den Niederlanden. Sie kamen aus unterschiedlichen Branchen und Technologiefeldern und brachten verschiedene Perspektiven auf Biointelligenz und verwandte Themen mit. Ziel der Discovery Tours war es, das regionale Biointelligenz-Ökosystem vor Ort kennenzulernen, Technologien und Anwendungsfelder unmittelbar zu erleben und neue Kontakte zwischen internationalen Unternehmen, Forschung und Industrie zu knüpfen.

Auf dem Biointelligenz Kongress

Am zweiten Tag nahm die Delegation am 3. Biointelligenz Kongress auf der Messe Stuttgart teil. Unter dem Motto »Making Biointelligence Tangible« standen konkrete Anwendungen an der Schnittstelle von Biologie, Technik und Informationstechnologie im Mittelpunkt.

In Keynotes und parallelen Sessions ging es um Biointelligent Health, Food & Nutrition und Production. Das Themenspektrum reichte von personalisierter Medizin und neuen Therapieansätzen über alternative Lebensmittel und Bioprozesse bis hin zur Frage, wie biologische Systeme stärker in industrielle Produktionsprozesse integriert werden können.

Für die Delegation bot der Kongress zugleich die Möglichkeit, die Eindrücke des ersten Tages in einen größeren Kontext einzuordnen und weitere Akteure aus Forschung und Industrie kennenzulernen. Am Abend wurde das Networking gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern der Messe Quantum Effects fortgesetzt.

»Biointelligent Health« und »Biointelligent Food & Nutrition«

Am Mittwoch teilte sich die Delegation auf zwei thematische Programme auf.

Die Route Biointelligent Health startete am Bosch Health Campus. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die CAR-T-Zellproduktion und damit in ein Anwendungsfeld, in dem biologische Prozesse und produktionstechnische Anforderungen unmittelbar aufeinandertreffen.

Anschließend ging es am Fraunhofer IPA unter anderem um ATMP-Herstellung, Single-Cell-Technologien, Mikrofluidik und automatisierte Bioproduktion. Auch Robotik und Exoskelette standen auf dem Programm. Das Fraunhofer IGB ergänzte die Perspektive mit aktuellen Ansätzen aus der Präzisionsmedizin, darunter Liquid Biopsy, zellfreie Nukleinsäuren, fragmentomische und epigenetische Diagnostik, Next-Generation Sequencing und Bakteriophagen.

Laborrundgang an der Universität Hohenheim (Quelle: Fraunhofer IPA)
Die zweite Gruppe widmete sich Biointelligent Food & Nutrition. Am Fraunhofer-Campus und an der Universität Stuttgart standen Cultured Meat, New Food und Bioprinting im Mittelpunkt. Danach führte die Tour an die Universität Hohenheim. Dort ging es um Food Informatics, künstliche Intelligenz und Robotik im Agrarbereich sowie um Einblicke in die Pilotanlagen und Labore des Instituts für Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie. Pflanzliche Lebensmittel, Lebensmittelmaterialwissenschaft und Molkereitechnologie zeigten weitere Facetten der Verbindung von Biologie, Digitalisierung und technischer Prozessentwicklung.

Unterschiedliche Branchen, ähnliche Herausforderungen

Gerade am dritten Tag wurde noch einmal deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangspunkte der teilnehmenden Unternehmen waren. Dabei wurden aber auch die Gemeinsamkeiten sichtbar über die Branchen- und Anwendungsgrenzen hinweg.

Ein Thema kam immer wieder über die drei Tage zur Sprache: Skalierung und Automatisierung. Ob Zell- und Gentherapie, Bioproduktion oder neue Lebensmittel – in allen Bereichen stellt sich die Frage, wie vielversprechende biologische Prozesse zuverlässig, reproduzierbar und wirtschaftlich in größere Maßstäbe übertragen werden können. Sensorik, Daten, Automatisierung und geeignete Produktionssysteme spielen dabei eine zentrale Rolle.

Dass Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen dabei viele gemeinsame Fragestellungen und Anknüpfungspunkte finden, überrascht nicht, gehört es doch zum Verständnis der Biologischen Transformation: Wissen, Technologien und Lösungsansätze aus bislang getrennten Bereichen zusammenzubringen und daraus neue Anwendungen entstehen zu lassen.

Der lebendige Austausch wird bereits konkret. In mehreren Gesprächen wurden bereits Möglichkeiten für gemeinsame Projekte und eine weitere Zusammenarbeit diskutiert. Neben den fachlichen Einblicken waren deshalb vor allem die neuen Verbindungen zwischen den Teilnehmenden und den regionalen Akteuren ein wichtiges Ergebnis der Discovery Tours.

Hier setzt auch das S-TEC ZBW an. Unternehmen können dort beispielsweise in Quick Checks zunächst konkrete Potenziale untersuchen und Fragestellungen anschließend im Rahmen von Exploring Projects oder Feasibility Studies gemeinsam mit Forschungspartnern weiterentwickeln. So kann aus einem ersten Kontakt oder einer Idee schrittweise ein konkretes Transferprojekt entstehen.

Nach drei intensiven Tagen endeten die Biointelligence Ecosystem Discovery Tours mit vielen neuen Eindrücken und Kontakten, aber auch mit ganz konkreten Themen für den weiteren Austausch. Einige davon dürften die Beteiligten also noch über die Reise hinaus beschäftigen.

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Wer tiefer in die unterschiedlichen Facetten der Biointelligenz einsteigen möchte, hat dazu direkt Gelegenheit: Am 14. Oktober 2026 startet die englischsprachige Webinarserie »Biointelligence: A Webinar Series on Future Value Creation«.

Bis Februar 2027 geben Expertinnen und Experten aus Forschung und Industrie wöchentlich Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Anwendungen rund um biointelligente Produktion, Gesundheit, Ernährung und Landwirtschaft. Die Teilnahme ist kostenfrei und je nach Termin online oder hybrid möglich.

Weitere Informationen und Anmeldung:

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